Bodengestaltung 

Ein Pferd in der Wildnis kommt bestens ohne uns Menschen und ohne Hufbearbeiter oder Schmiede zurecht. Heute ist es jedoch ein Haustier. In seiner Lebensweise hat sich sehr vieles verändert und so braucht es alle 4-6 Wochen einen Hufpfleger oder einen Hufschmied, um Wachstumsüberstände zu entfernen und Fehlstellungen zu korrigieren. Gerade die Haltung ist es, die auf die Gesundheit der Hufe grossen Einfluss nimmt. Ein Pferd ist nach wie vor viele Stunden am Tag frei und wenn gegeben mit weiteren Artgenossen ständig in Bewegung. Verschiedene Untergründe von weicher Weide bis hartem Beton sind ganz entschiedend.

Die Hufe formen sich je nach Bodenbeschaffenheit, Bewegung und Futter.

Haben Sie sich schon einmal mit dem Boden in der Lebensumgebung Ihres Pferdes beschäftigt? Oder bei einem Stallwechsel den Boden des neuen Stalles angeschaut, auf dem Ihr Pferd 21-23 Stunden des Tages lebt? Was braucht der Huf, ohne oder mit Eisen, damit er gesund wachsen und die Bewegungen Ihres Pferdes unterstützen kann?

Lassen Sie mich kurz daran erinnern, dass das Pferd nur mit dem Hufbeinträger im Huf aufgehängt ist. 450-800 kg Knochen, Muskeln und Organe hängen also beweglich in 4 Hufkapseln. Es ist eine ineinander verzahnte Struktur, die wie ein Trampolin nachgibt, wenn das Pferd aufhuft, das Gewicht in der Bewegung auffängt und dafür sorgt, dass der Huf stabil bleibt. Wir alle wissen, wie schmerzhaft es für ein Pferd ist, wenn die Lamellenschicht sich infolge einer Hufrehe trennt und die Tragfähigkeit verloren geht.

Je nach Bodenbeschaffenheit wird das Pferd einen anderen Hufwachstum zeigen.

Jeder Knochen im Huf hat eine individuelle Wölbung, die bei einem gesunden Huf der natürlichen Sohlenwölbung entspricht. Steht Ihr Pferd auf weichem Boden, sinkt der Huf ein und wird mit seiner ganzen gewölbten Fläche tragend. Der Boden bildet von untern her Tritt für Tritt eine Unterstützung für das von oben kommende Gewicht.

Steht es auf hartem Boden, wo das Pferd nicht einsinken kann, trägt nur der äusserste Rand des Hufes das ganze Gewicht das von oben kommt. Bei jedem Tritt drückt das Gewicht in Folge physikalischer Kräfte gegen den Boden und belastet im Übermass das innere des Hufes.

Ich habe beobachtet, wie der Huf sich zu schützen beginnt, indem er übermässig Material produziert und den Huf zu füllen beginnt. Er verliert so seine natrüliche Elastizität und wird zum Klotz am Bein. Jede Erschütterung, jede Unebenheit belastet nun die inneren Strukturen (Knorpelfasern, Sehen, Bänder und Muskeln).

In Haltungen in denen die Böden optimiert wurden, konnten sich die Hufe in 1-3 Monaten so weit erholen, dass das überschüssige Füllmaterial abgetragen werden konnte. die Pferde haben sich in den Bewegungsabläufen verbessert und die Muskulatur hat sich entspannen können.

Ein Bericht über durchgeführte Studien von Dr. Bowker über Hufrollenprobleme infolge Erschütterungen von harten Böden ist angehängt und höchst interessant. Seien es die Erschütterungen durch harte Böden mit oder ohne Eisen auf denen Pferde leben und arbeiten. Das Resultat ist dasselbe, nämlich eine unnatürliche Belastung der Hufe unserer Pferde. Die entstehenden Vibrationen können gemäss Dr. Bowker das Bindegewebe im Huf massiv schädigen.

Diese Erkenntnisse fordern uns auf zum Wohl unseres Pferdes die Bodenbeschaffenheit in ihren Lebensräumen mit bedacht zu wählen.

Meine Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, eine Analyse der Bodenbeschaffenheit zu machen. 

Ja, ich bin Interessiert...

 

Mit freundlicher genehmigung von Dr. Bowker darf ich seinen Artikel veröffentlichen. Übersetzung: Dr. Regula Bucher (www.hufarmor.ch)

Autor: Casie Bazay / Robert M. Bowker

Ich war sehr aufgeregt, weil ich letzte Woche die Gelegenheit hatte, Dr. Robert Bowker zu Interviewen. Er ist einer der wenigen Forscher, der sein leben dem Bemühen gewidmet hat, alles zu lernen, was er über die Funktion des Hufes lernen kann. Er hat den Weg gebahnt, dass viele von uns den Pferdehuf aus einer anderen Sicht sehen. Seine Studien über die Blutzirkulation und Energieverteilung im Pferdehuf sind für viele von besonderem Interesse - vor allem für jemanden, der in der Barhufer-Bewegung eingebunden ist.

Dr. Bowker schloss sein Studium 1973 an der University of Pennsylvania's College of Veterinary Medicine ab und machte seinen PhD (Dr.-Titel, Anm d.Ü.) 1979 in Neurobiologie. Heute liest er Anatomie am College of Veterinary Medicine an der Michigan State University, wo er seit 1988 lehrt. Obwohl Dr. Bowkers Forschungen in den Kreisen Traditioneller Tierärzte und Hufschmiede immer noch ignoriert werden, verfolgt er sie weiter und bringt immer wieder Fehlinformationen, die oft in Vorlesungsskripten gedruckt werden ans Licht. Die Beweise, die er über die natürliche Funktion des Hufes zusammengestellt hat, sind überwältigend und er wird noch und noch durch NHC-Barhufpfleger (Natural Hoof Care) und ganzheitlich fokussierte Tierärzte zitiert.

Ich denke an eines meiner Lieblingszitate, wenn ich an Dr. Bowker und seine Arbeit denke: "Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt, dann wird sie bekämpft und schliesslich wird sie als selbstverständlich angenommen". (Arthur Schopenhauer)

Ich glaube unbedingt daran, dass die Wahrheit über den Pferdehuf bald als Selbstverständlich akzeptiert werden wird. Und wir haben Dr. Bowker vieles davon zu verdanken.

Fragen und Antworten mit Dr. Bowker: Hufrollenerkrankung

Casie Bazay: Was führte zu Ihrem Interesse, den Huf und insbesondere Hufrollenerkrankung zu studieren?

Dr. Bowker: Ich bin von meiner Ausbildung her Neurobiologe (Wissenschaftler, der die Zellen des Nervensystems erforscht) und in de frühen Neunzigern wurde ich von Studenten gefragt, welche Nerven genau durch Lokalanästhesien betäubt werden. Wir fingen an, zu untersuchen, wo genau sich die Nerven befanden und wohin sich das Lokalanästhetikum nach der Injektion verteilt. Wir zeichneten die Nerven, die durch diese Prozedur betroffen sind, auf. Geichzeitig kamen wir dadurch dazu, exakter zu sezieren und die Anatomie des Hufes gründlicher zu lernen. Schliesslich führte uns das dazu, uns auf die Gewebe zu konzentrieren. Es entstanden mögliche Ideen im spezifischen Zusammenhang mit der Hufrollenerkrankungen. Ich wollte verstehen, wie der Huf beim Aufschlag auf den Boden reagierte und wie die Aufschlagsenergie verteilt wurde und die Gewebe darauf reagierten. Ich begann damit, verschiedene Teile des Hufs zu vermessen und fand heraus, dass bei vielen Pferden die Hufknorpel unterentwichelt waren. Ich stellte auch fest, dass wenn radiologische Veränderungen am Strahlbein sichtbar waren, der Zustand schon jahrelang bestanden hatte. Zurückblickend war ich sehr naiv in meiner Denkweise, denn heute wissen wir, dass diese kleinen Hufknorpel nicht unterentwickelt waren, sondern sie unterlagen unterschiedlichen Graden der Degeneration oder waren ernsthaft durch die Vibrationen auf Ballen und Hufe beim Auffussen beeinträchtigt. Ich denke, es ist wichtig zu erwähnen, dass ich nicht mit Pferden aufgewachsen bin und daher war ich nicht befangen wie so viele Leute, wenn es um Pferdehufe geht. Die übliche Pferdekunde oder Dogmas bezüglich Hufe waren nicht in meinen Venen.

Casie Bazay: Es scheint, dass es zahlreiche Definitionen gibt, was die Hufrollenerkrankung eigentlich ist. Wie würden Sie sie definieren?

Dr. Bowker: Der Begriff "Hufrollenerkrankung" wird gebraucht, um jede Schmerz im hinteren Teil des Hufes zu beschreiben. Eine Hufzange, die am Strahl angesetzt wird, ist ein recht zuverlässiger Hinweis (vorausgesetzt, dass Strahlfäule ausgeschlossen werden kann). Es gibt viele Gründe dafür, dass das Strahlbein und alles vom Hufbein bis zum hinteren Hufbereich betroffen sein kann. Das Strahlbein und die tiefe Beugesehen können gesund sein un ddennoch kann das Pferd an Schmerzen im Bereich der Hufrolle leiden. Wenn im Röntgenbild irgendwelche Veränderungen zu sehen sind, ist das Problem schon ziemlich weit forgeschritten. ich sehe es als ein A-bis-Z-Kontinuum und in einem auf dem Röntgenbildern ersichtlichen Fall ist man schon meistens bei W-bis-Z angekommen.

Casie Bazay: Wie kommt eine Hufrollenerkrankung gemäss Ihren Studien zustande?

Dr. Bowker: Meine Studien haben mich zu der Überzeugung geführt, dass unsere Pferdehaltung der Grund ist, dass Hufrollnentzündung entsteht. Im Wesentlichen kann Hufrollenentzündung auf Vibrationen zurückgeführt werden: Vibrationen zerstören Gewebe im Huf. Wie das geschieht? Wenn Pferde gezwungen werden auf harten Böden zu leben, oder wenn sie fortwährend auf harten Böden arbeiten müssen, erhöht sich die Frequenz der Vibrationen. Auch schon Vibrationen mit der tiefen Frequenz von 250-300 Hz können Bindegewebe zerstören. Man hat bewiesen, dass Pferde auf hartem Grund Vibrationen bis zu 3000 Hz unterworfen sind. Meine Überzeugung ist, dass harte Böden, Eisen oder Haltungspraktiken, sowie unsere Methoden die Hufe zu trimmen oder zu zu beschlagen die Hauptschuldigen für diese erhöhten Schläge/Vibrationen auf den Huf sind. Eisen erhöhen ebenfalls die Frequenz der Vibrationen im Huf. Gewebe können nur eine gewisse Menge Energie absorbieren, bis die Knochen geschädigt werden. Eine Studie von 1988-89 aus den Niederlanden zeigte, dass Eisen die Vibrationen im Huf bis zu 2500 Hz erhöhen können. Also ja, Hufeisen spielen definitiv eine Rolle in der Entstehung der Hufrollenerkrankung. Aber es muss auch gesagt werden, dass auch Barhufpferde, die auf arten Böden leben oder gearbeitet werden, eine Hufrollenerkrankung entwickeln können.

Casie Bazay: Können Sie erklären was dem Huf passiert, wenn der Strahl keinen Bodenkontakt hat?

Dr. Bowker: Grundsätzlich geht alles Bach ab. ich bin überzeugt, dass es das dümmste ist den Strahl zu beschneiden, was man tun kann. Wenn Sie den Strahl trimmen, nehmen Sie die äusserste Schicht des Strahles weg. Was die darunter liegenden inneren Strukturen des Strahls enorm schädigt. Der Strahl ist eine höchst ausgereifte Struktur mit einer enormen Blutversorgung. er enthält tausende von winzigen Blutgefässen. diese Blutgefässe sind ausschlaggebend für die notwendige Blutversorgung und für die Gesundheit des Hufes. Wenn der hintere Teil von Huf und Strahl keinen Bodenkontakt haben, wird die Aufschlagsenergie (aus der Bewegung) nicht verteilt, sondern wird stattdessen auf die Knochen und die anderen verbindenden Gewebe des Hufes übertragen. Diese Gewebe verteilen die Energie nihct sehr gut und das Lanzeitergebnis sind chronische Hufprobleme und Lahmheit. Wenn der Strahl auf dem Boden ist, werden die Eckstreben ebenfalls ihren Anteil an Gewicht tragen  und ein grosser Teil der Last wird von der sohle übernommen werden. Ich denke auch, dass der Dreck, der in die Sohlenwölbung hineingepackt wird, eine helfende Rolle in der Unterstützung des Hufes spielt. Man sollte diesen Dreck nicht herausputzen (ausser natürlich, wenn es Mist ist. Meiner Erfahrung nach haben nur Stallpferde Strahlfäule.

Casie Basay: Ist eine Hufrollenerkrankung reversibel, wenn die Zerstörung des Strahlbeins begonnen hat?

Dr. Bowker: Es hängt wirklich vom Ausmass des Schadens ab. Gewebe können heilen, aber sie werden nie wieder normal. Die Hufrollenerkrankung ist mit so einer grossen Spannweite von Pathologien verbunden und jedes Perd ist anders. in vielen Fälle werden jedoch die Zehen zu lang gelassen. Eine kurze Zehe ist Bedingung für eine Heilung. Es ist ein Fehler zu glauben, dass die Hufwand das Pferd tragen sollte, wie traditionelle Hufschmiede und viele Tierärzte glauben. Das Hufbein (das ja direkt oberhalbe der Sohle liegt), sollte immer mitbelastet werden. Es sollte dicht (histologisch gesehen, auch röntgendicht) sein. Wenn das Hufbein nicht belastet wird, wird es porös - das ist nichts Gutes. Ich arbeite momentan an einer Untersuchung, die sich auf die Rehabilitation von Pferde mit Hufrollenerkrankung fokussiert.

Casie Basay: Solte Ihrer Meinung nach Pferde mit Hufrollenerkrankung überhaupt beschlagen werden?

Dr. Bowker: Es hängt davon ab, was sie wollen. Wenn wir über Pferde mit normaler Aktivität sprechen und wenn Sie wollen, dass die Strukturen kontinuierlich stärker werden, dann wahrscheinlich nein. Aber wenn Sie an Turniere gehen etc. und wenn es dort Vorschriften gibt, dann muss man wohl irgendwelche Eisen aufbringen. Der Huf muss irgendwie geschützt werden, abhängig davon, was er leistet und wie man den Huf trimmt. Immer wenn man ein Eisen auf einen Huf aufbringt, muss man die Verantwortung für den Aufprall übernehmen, den das Eisen auf den Huf und den Rest des Fusses ausübt. Meiner Meinung nach übernehmen die wenigsten Leute diese Verantwortung. Es sind unsere Haltungsbedingungen, die nicht korrekt sind und die Probleme wie die Hufrollenerkrankung produzieren. Wenn wir diese korrigieren, werden sich die Hufe entsprechend einstellen. Ich habe nicht auf alles eine Antwort, aber ich sehe mehr Hufe in unterschiedlichen Stadien der Zerstörung, als gesunde Hufe. Ein Huf der ohne Lahmheit geht ist meiner Meinung nach nicht notwendigerweise gleichzusetzen mit einem gesunden Huf. Es heisst nur, dass er momentan nicht lahmt.

Casie Basay: Irendwelche abschliessende Gedanken?

Dr. Bowker: Viele Leute denken, dass "barhuf" einfach heisst "die Eisen abnehmen". Das ist es nicht. Nur korrektes und häufiges Trimmen und die Zehe kurz halten wird ein einem guten Huf resultieren. Meiner Meinung nach sollte ein Huf während der aktiven Wachstumsperiode alle 3-5 Wochen durch einen Barhufpfleger oder einen Hufschmied getrimmt werde. In manchen Fällen sogar in kürzeren Intervallen. Selten auch längere Abstände. Pferdebesitzer haben eine Verantwortung sich weiterzubilden und sie müssen damit anfangen, dem Huf Aufmerksamkeit zu schenken. Ich betrachte korrekte Hufpflege und Ernährung als die beiden wichtigsten Aspekte in der Pferdepflege, bzw. Pferdehaltung.

Originaltitel: Casie Bazay: Dr. Robert Bowker on Navicular Desease, 20.05.2014, updated 06.02.2017, https://thenaturallyhealthyhorse.com